|
Tetraspastik |
Ursachen der Schädigung:
Bei der Tetraspastik handelt es
sich um eine umfassende Schädigung in unterschiedlichen Bereichen der sensomotorischen
Hirnrinde.
Dabei spielen z.B. Blutungen,
Frühgeburt, Mehrlingsgeburt, Placentadysfunktion, Vergiftung oder häufigere Atemstillstände in den ersten Lebenstagen oder
Wochen eine Rolle.
Von einer Tetraspastik spricht
man, wenn Arme und Beine gleich stark betroffen sind, d.h. alle 4
Extremitäten (bei miteinbezogenem Rumpf).
Es ist der ganze Körper in
seiner Sensomotorik mit einbezogen, d.h. der Bereich
- des Kopfes
- des Rumpfes
- der Arme / Hände der Beine
/ Füße
Viele der Kinder haben einen
konvergenten Strabismus alternans (Einwärtsschielen, Statistisch gesehen ca.
40%).
Häufig geht dieses Störungsbild
noch mit einem Anfallsleiden einher, und es kann bis zu BNS - Anfällen
kommen.
Diese Anfälle treten häufig in
der Zeit zwischen dem 3. - 8. Lebensmonat auf.
Dadurch wird eine der schwersten Formen
der cerebralen Bewegungsstörungen weiter ungünstig beeinflußt.
Es ist daher sehr wichtig, daß
diese Kinder schnell in ärztliche Behandlung gelangen, damit sie
medikamentös eingestellt werden können und frühstmöglich eine
sensomotorische Förderung beginnen kann.
Wie die anderen Tonusdysbalancen
differenziert man die
Tetraspastik in eine leichte, mittelschwere und schwere Form.
Die schwere Form der Tetraspastik
kann schon in den ersten Lebenstagen und Wochen diagnostiziert werden.
Die schwere Form der
Tetraspastik:
Kinder mit der schweren Form von
Tetraspastik fallen in den ersten Tagen nach der Geburt auf, weil fast immer
die Nahrungsaufnahme schwer gestört ist. Es kann sein, daß den Neugeborenen
schon die Such- und Saugreaktionen fehlen, bzw. unvollständig sind. Die Schluckreaktion
kann völlig fehlen, so daß die Kinder sondiert werden müssen.
In der Bauchlage:
Falls das Kind sich in den ersten
Lebenswochen in diese Lage legen läßt, fällt auf, daß es meist noch nicht
die "Automatische Reaktion" hat, sondern daß das Muster des TLR
dominiert. Aus der Beugehaltung findet das Kind nicht heraus. Man sieht oft schon den Hypertonus in Armen und Beinen.
In der Rückenlage:
In dieser Lage weist das Kind
schon eine stetige Kopfhaltung im Opisthotonus auf, und man erkennt den
starken Beugetonus der Arme und den Strecktonus in den Beinen. Evtl. auch
einen starken ATNR.
|
Frühdiagnostik:
Das Baby ist schon in der gesamten Beweglichkeit durch den
starken Hypertonus des Rumpfes behindert. Es bewegt sich häufig nur in der
Schablone des TLR - ATNR Bei diesem Bild handelt es sich von Anfang an um eine Schwerstmehrfachbehinderung |
Die mittelschwere Tetraspastik in den ersten 4 Lebensmonaten:
|
In den ersten Lebenswochen mit
phylogenetischen Beuge- und Streckphase d.h. mit mehr Beugetendenz der
ersten 7 Wochen und dann mit mehr Streck- oder Aufrichtungstonus von der 7. Woche bis zum 3. Monat
fällt das Kind auf, weil es schon diese Stadien nicht adäquat
durchläuft.
In den ersten Monaten fällt das Kind auf, weil es aus der
Rückenlage: in einer opisthotonen Kopfhaltung
liegt und den Kopf und Körper nur mit Hilfe der Halsstellreaktion
drehen kann, oder in der Schablone des ATNR's.
- Die Hände bleiben gefaustet - Die Arme in Primärhaltungen - Das Kind kommt meist mit den Händen nicht zum Mund - Die Arme können nicht gegen die Schwerkraft abgehoben werden
- Das Kind findet keine Mitte, der Rumpf bleibt asymmetrisch - Die Beine gehen mehr in Streckmuster, symmetrisches Strampeln - Isolierte Fußbewegungen fehlen - Die Bewegungen sind eckig und ohne Zwischenstufen, die nicht gehalten werden können - Intoleranz gegenüber Lagewechsel, der Säugling lässt sich nicht gerne tragen, füttern
Entwicklung aus Rückenlage in
den ersten 4 Lebensmonaten:
- Häufig beginnt schon eine Fixierung der Muster ATNR und TLR - Durch den ATNR und TLR kommt es zur dauerhaften opisthotonen
Kopfhaltung - Der Kopf dreht sich meist mit dem ATNR, der hier schon zu
persistieren beginnt, von der stärker betroffenen Seite weg - Die Wirbelsäule beginnt sofort mit einer Asymmetrie zu
reagieren - in eine skoliotische Haltung - Beginn der Kopf – Gesichtsasymmetrie
|
Entwicklung ab 4. - 7. Monat:
|
In Rückenlage besteht meist eine opisthotone
Kopfhaltung, weiter in Folge des ATNR's mit Fixierung zur weniger
betroffenen Seite. Es besteht weiterhin eine starke
Neigung zur Flexionshaltung in den Ellbogengelenken, d.h. die Ellbogen
sind gebeugt Die Hände in Fausthaltung, ulnarabduziert, Daumen adduziert Kaum, oder kein Öffnen der
Hände (wenn, dann sehr, sehr selten) Die Hand - Hand - Koordination
bleibt aus (sowie die anderen Hand - Körper - Koordinationen Kein Entwicklung der Hand -
Mund-, Auge - Hand
und Auge - Fuß Koordination Gegenstände können nur
angesehen, aber nicht ergriffen werden. Diese Kinder behalten in allen
Extremitäten die Beugehaltung der ersten Lebensmonate (hyperton) bei.
So sind keine phasischen Bewegungen, d.h. sinnvolle Beuge-Streck- und
Beugebewegungen möglich. Die Rückenlage wird also
beherrscht von den tonischen Nackenreaktionen, wobei besonders der
ATNR in eine dauerhafte opisthotone Drehung zwingt. Das ist dann der
Fall, wenn der Hypertonus auf einer Seite stärker ausgeprägt ist.
Der Kopf dreht sich dann von der mehr betroffenen Seite weg, häufig in eine
fixierte ATNR - Haltung (Windschlagdeformität). Die Folgen sind dann eine
skoliotische Haltung in der WS, wie schon beschrieben. (ohne
Behandlung immer progredient) Gesichts- und Kopfasymmetrie
schreitet fort. Gefahr der Hüftluxation auf der
Hinterhauptseite - durch das ATNR fixierte Muster Häufig geht es noch
einher mit einer starken Mororeaktion, auf Außenseite hin (die kann
dann immer wieder die freie Sitzposition, auch später, jede freie
Aufrichtung unmöglich machen. Die Mororeaktion sieht man noch häufig
in der 2. Phase - Beugephase. Die Beine sind aus der
Rückenlage in den Hüft- und Kniegelenken noch symmetrisch in
Semibeugung. An den Füßen findet man meist
eine Knickfußhaltung. Evtl. kann es sich in der RL nicht halten und fällt "en bloc" um. Mangel an isolierten Bewegungen, Zwischenpositionen kaum oder gar nicht möglich.
Bauchlage:
- Die Aufrichtungsposition bleibt auf dem
Stand eines Neugeborenen - Als Muster steht dem Kind nur die Betonung des ersten
Beugetonus zur Verfügung. - Je
größer der Bewegungsdrang und die Aktivität des Kindes wird, desto
früher fixiert sich das pathologische Muster als
Reaktionsabhängigkeit. - Dem Kind
gelingt aus Bauchlage nur das Muster des Opistotonus, also immer eine Überspannung der geraden Rückenstrecker
und der Hüften. - So besteht schon ein Entwicklungsdefizit von einigen Monaten. - ATNR- Muster sichtbar
|
Testen
Die typischen Reaktionen: - oder
Reaktionen, die nicht auftreten ab...
(Alter 5. + 6. Monat) (Die primären Mundreaktionen sind
noch vorhanden)
Gleichgewichtsreaktionen
können nicht erlangt werden, weil keine
Gewichtsverlagerung stattfinden kann
Beim
Traktionsversuch kann das Kind keine aktive Kopfhaltung
einnehmen.
Arme in Beugetonus, die Beine in Streckung und Adduktion und
Spitzfuss
Axillarer
Hängeversuch - keine Kopf - Rumpf - Haltung, die Arme in
Beugetonus,
die Beine in Streckung und Adduktion Seitlagereaktion
- keine Kopfeinstellung - keine Rumpfkontrolle, starke Mororeaktion,
keine Einstellung der Extremitäten
Bei Folgen all dieser persistierenden
Muster sprechen wir von einer beginnenden fixierten Tetraspastik. Das bedeutet, das Kind erlangt aktiv keinen gesicherten Stütz, Sitz und keine Stehposition ohne Therapie, denn jede phasische Bewegung kann nur koordiniert erfolgen, wenn das Kind zuerst eine gesicherte Ausgangsstellung hat, Positionen selbstständig einnehmen kann, Variationsmöglichkeiten besitzt und damit eine gute Mutter-Kind-Interaktion gewährleistet ist. |
||||||
Therapieansätze
- Therapieschwerpunkte
Bei diesen Kindern ist ein
realistischer Therapieplan aufzustellen und erreichbare kleine Schritte ins
Auge zu fassen.
Tonusregulierende Maßnahmen,
besonders bei der Tetraspastik mit der starken Hypertonie, wenn das Kind sich
selbst bewegen will, erhöht sich seine Muskelspannung noch mehr.
Je größer der Wille und der
Antrieb zu den Bewegungen ist, desto schwerer werden dem Kind die Bewegungen.
(Dehnung - Kopf - Rumpfmuskulatur)
Die Wahrnehmungs- und
Bewegungserfahrungen vermitteln wir durch Handlung, besonders in die Rotation
aus guten Ausgangsstellungen, die das Kind toleriert.
Die Gelenkbeweglichkeit wird
erarbeitet und erhalten aus gesicherten neurophysiologischen
Ausgangspositionen
Anbahnen von den Stellreaktionen
- Kopf auf den Körper und Körper auf Kopf aus Rückenlage / Seitlage /
Bauchlage
Den Ellbogenstütz erarbeiten,
damit das Baby / Kleinkind von daher aus, sich in einer sicheren
Ausgangsstellung befindet und zur Gleichgewichtsverlagerung fähig wird.
Langsam mit viel
Rotationsbewegungen um die Körpermitte (senkt z.B. u.a. den Tonus der
überspannten Rückenstrecker und geben dem Rumpf so Beweglichkeit und
Flexibilität)
Vermittlung von Wahrnhmungserfahrungen für Hände - Mund - und Füße, sowie den gesamten
Körper u.a. aus Rückenlage = Körpereigenwahrnehmung.
Mit Spielmaterial u.a. für das
protopatische und epikritische System - rauh / glatt, warm / kalt, weich /
hart und Formerfassung - also mit der Tiefensensorik zusammen.
Klangvermittlung - so klingt etwas
Sehvermittlung - so sieht etwas
aus
Riech- und Schmeckvermittlung
Taktil / propriozeptive und
vestibuläre Stimulation in gut organisierter Ausgangsstellung, damit die
Bewegungsfreude darüber geweckt wird, durch ganz gesicherte
Ausgangsstellungen.
Übergang auf den Ball, um die
Therapie dort fortzusetzen, aus Bauch- und Seitlage.
Durch die Schoßbehandlung in gesicherter Position, wie aus BL
in den Vierfüßlerstand, abgesichert durch die Beine des Therapeuten.
Sitzpositionen aus gesicherten
Ausgangsstellungen
Aus der gesicherten Stellung, dem
Vierfüßlerstandes in die Sitzpositionen - Seitsitz / Langsitz unter
achsengerechter Sicherung der Schulter - und Hüft - Gelenke.
Evtl. den Sitz auf Therapiebank,
mit Fußteilbelastungen. Vom Ball, mit Fußbelastung arbeiten
Evtl. Augenbewegungen und
Fixieren verbessern (wegen der Abducensparese)
Mundtherapie u.a. mit
Nackenaufrichtung und seitlichen Kopf- und Kieferbewegungen verbessern - für
die Kaubewegungen, so daß die Zunge nicht mehr am Gaumen bleibt und so Eß-
und Sprachbewegungen besser werden.
(auch über Hände und Füße arbeiten/stimulieren)
Handling beim Tragen, Wickeln, Füttern und Baden
|
Störungsbild beim Kindergarten- und Schulkind mit Tetraspastik und daraus resultierende Probleme: Grundtonus:
Hypotoner Rumpf, hypertone Extremitäten (mangelnder Haltetonus und
mangelnder Bewegungstonus !) Verwendung
von Primärmustern
:
Defizite in den Stell- und Gleichgewichtsreaktionen: (Da
es bereits bei der Einstellung des Kopfes auf den Körper zu Problemen
kommt, kann sich auch die Einstellung des Körpers auf den Kopf und Körper
auf Körper nicht entwickeln. Gleichgewichtsreaktionen können ohne
die Fähigkeit zur Gewichtsverlagerung und Rotation nicht stattfinden) Daraus
resultieren
Wenn das Kind etwas erreichen will, kommt es oft zu assoziierten Reaktionen, seine pathologischen Muster verstärken sich bis hin zu einer Fixierung im Muster. Asymmetrien verstärken sich. Dadurch erhöht sich die Gefahr von Kontrakturen, Deformitäten wie z.B. Skoliose und Achsenabweichungen, Hüftgelenksluxationen, Fehlstellungen der Sprung-gelenke, Hand- und Fingergelenke etc. All dies wirkt sich auch ungünstig auf die Pflegefähigkeit aus. Dem
Schweregrad entsprechender Erfahrungsrückstand
und Entwicklungsrückstand
Es kommt zu einem Rückgang an Aktivität , da eine Diskrepanz zwischen der Anstrengung und dem gewünschten Effekt besteht. Je älter das Kind wird, desto mehr klafft die Entwicklungsschere im Vergleich zu normentwickelten Kindern auseinander. Die Aufmerksamkeitsspanne ist verringert, die Konzentration ist eingeschränkt. Psychische Instabilität und unausgeglichene Verhaltensreaktionen. Mangelnde Flexibilität in Denkprozessen, persistierendes Spielverhalten. Mangelnde Kooperationsfähigkeit, sensorische Probleme auch bei Positionswechseln. Häufig bestehen durch eine gestörte Mundmotorik (keine seitlichen Zungenbewegungen) Probleme bei Nahrungsaufnahme und Sprache. Die Entwicklung von Selbstständigkeit ist nur in geringem Maße möglich. Behandlungsschwerpunkte
beim älteren Kind : ADL
Bereiche (Aktivitäten des täglichen Lebens) sind zu verbessern. Der
Therapiemüdigkeit und der Resignation bei Kind und Eltern muß
entgegengewirkt werden. Größtmögliche Unabhängigkeit von Hilfe
(Verselbsständigung) soll angestrebt werden. Beim tetraspastischen
Kind müssen die Behandlungsziele realistisch eingestuft werden, damit
alle beteiligten Personen nicht frustriert werden. Tonusregulation:
Funktionellen
tonischen Dialog herstellen Stabilität
und Mobilität verbessern:
Erarbeiten
von Stell- und Gleichgewichtsreaktionen und Erarbeiten isolierter
Bewegungen der Extremitäten. Mobilisierung
des Rumpfes Mobile
Stabilisation zur Förderung von Aufrichtung und Symmetrie wie z.B.
durch den Einsatz des grossen Gymnastikballes oder eines mobil
gelagerten Kastens bei gleichzeitiger Aktivität in den oberen Körperabschnitten.
Symmetrisch und reziprok arbeiten, ebenso diagonal. Erarbeiten von adäquaten Bewegungsmustern,
pathologische Muster (Primärreaktionen) gut überbauen Durch
eine verbesserte Rumpf- und HWS-Stabilität könnenVorbereitungen
getroffen werden um z.B einen Computer mit entsprechender
Spezialanpassung bedienen zu können. Vertikalisierung: Erarbeiten
bzw Erhalten der Sitz- und Stehfähigkeit
Beim
älteren Kind dienen Sitz- und Stehpositionen, um Kontrakturen
und Deformitäten zu verhindern und helfen bei der Tonusregulation.
Zusätzlich dienen sie zur Verbesserung der Nackenaufrichtung. Sämtliche
Vertikalisierungsmaßnahmen unterstützen sie achsengerechte
Gelenkbelastung, fördern die Atmung, Verdauung . Sie unterstützen
die Osteoporoseprophylaxe, das Kreislauftraining. Zusätzlich fördern
sie die psychische Stabilität des Kindes, dienen der intellektuellen
Horizonterweiterung. Der Mensch strebt immer in die Vertikalisierung .
Das
Kind soll ermuntert werden, Positionswechsel zu akzeptieren. Beim
Sitzen im Kindergarten, in der Schule muss darauf geachtet werden, daß
ihm neben dem Rollstuhl entsprechende Sitzgeräte (z.B.
TrippTrapp-Stuhl, Arbeitsstuhl mit Armlehne etc.) zur Verfügung
stehen. Auch ein Stehgerät (Schräg-Bauchliegebrett, Heidelberger
Stehtrainer) sollte immer wieder zum Einsatz kommen. Das Kind soll
nicht statisch fixiert sein, sondern durch den Einsatz zusätzlicher Möglichkeiten
ein verbessertes "Dasein" im täglichen Leben erhalten. Hier
empfiehlt sich z.B. ein mobiler Stehtrainer (Wheele-About). Kontrakturbehandlung,
Vermeiden von Verschlimmerung (Erhalten von Transfer- und Pflegefähigkeit) Körperschema
verbessern,
ermöglichen von Eigenerfahrung. > Selbständigkeit und
Eigenkompetenz fördern Sensorische
Integration verbessern: Die
sensorische Integration wird durch Verbesserung des Körperschemas und
der Bewegungsplanung gefördert.
Zusätzlich benötigt das Kind räumliche und zeitliche Möglichkeiten,
um sich den Raum selbständig zu erobern. Dazu dient als erstes schon
das Bauchliege-Rollbrett, was nebenbei noch die reziproke Inervation
des Schultergürtels fördert. Auch das räumliche und zeitliche
Erfassen z.B. linearer Bewegungen, Kreis, Diagonale, eine liegende
Acht etc.. Eine
weitere Möglichkeit bietet die Schaukel an.. Auf der Schaukel, wie
auf dem Ball, wird das dreidimensionale Sehen und Hören im Raum gefördert.
Körperwohlgefühl:
Körperwohlgefühl
ist eine grundlegende Voraussetzung des Bobath-Konzeptes, damit das
Kind nicht durch Schreien, Weinen, vegetativem Unwohlsein, Erhöhung
des Hypertonus, Stresshormone ausschüttet.
Das Kind soll durch das Bobath-Konzept eine Hilfestellung für
die eigene Organisation bekommen.
Größtmögliche Unabhängigkeit wird angestrebt, um es
handlungsmotiviert, emotional und kommunikativ im Dialog zu fördern.
Deshalb ist ein gutes Handling seitens der Bezugspersonen und
der Therapeutlnnen notwendig. Lagerung auf dem Keil Gute
Hilfsmittelversorgung, vor allem gute Sitzversorgung und eine
optimale Rollstuhlversorgung. Das
Kind muß dabei zusätzlich mit entsprechendem orthopädischen
Schuhwerk, bzw. angepaßten Orthesen versorgt werden. Abhängig
vom Schweregrad der Behinderung ist das Laufen mit Hilfsmitteln
anzustreben. Hierbei ist darauf zu achten, daß unphysiologische,
pathologische Muster weitestgehend ausgeschlossen werden. Damit
das Kind auch im späteren Lebensalter relativ beschwerdefrei bleibt
(Schmerzen verringern Lebensqualität), müssen zusätzliche Schäden
in den Hüft-, Knie- und Sprunggelenken unbedingt vermieden werden. So
sollte im Hinblick auf die Fortbewegung nicht ausschließlich
das Gehen anvisiert werden, wenn es die Hüftgelenke überfordert und
langfristig das Gehen verhindert. Bestmögliche Hilfsmittelversorgung
bedeutet so viel Hilfe wie nötig, und so wenig wie möglich, damit
das Kind mobil bleibt. Die Hilfsmittel sollen der Stabilität und
Mobilität dienen und eine weitere Förderung der neurophysiologischen
Entwicklung ermöglichen. Deshalb muß eine regelmässige Überprüfung
stattfinden, um möglichst Hilfsmittel gegebenenfalls wieder
reduzieren oder ergänzen zu können. |
.
|
Allgemeines
Verhalten: (Z. B. beim älteren Kind)
Mangelnde Aufmerksamkeit und
Konzentrationsschwierigkeit Neigung zur Passivität Häufig geistige Retardierung
Hauptprobleme
bei diesem Störungsbild:
Verwendung von Primärmustern
Hypotoner Rumpf, hypertone
Extremitäten, Pfötchenstellung. Isolierte Bewegungen sind kaum
möglich, Massenbewegungen. Assoziierte Reaktionen Gestörte Mundmotorik, die
seitlichen Zungenbewegungen fehlen, Zungenstoß.
Keine oder schlechte
Gleichgewichtsentwicklung Bewegungsarmut, eingeschränkte Mobilität. Massiver
Erfahrungsrückstand, allgemeiner Entwicklungsrückstand, kein oder kaum Körperschema Kontrakturen in allen grossen
Gelenken, Skoliose,
Hüftluxation, Hüft- und Beckendeformitäten und Fehlstellung der
Wirbelsäule Mangelnde Aufmerksamkeit und Konzentrationsschwäche Mangelnde
Akzeptanz von unterschiedlichen Ausgangsstellungen Unausgeglichene
Verhaltensreaktionen Probleme bei der Pflege |
|
Die allgemeinen
Behandlungsschwerpunkte zu diesem Störungsbild:
|
|
Hilfsmittel:
Rollstuhl, angepasste Sitzschale Lagerungskeil (Lagerungen
in Seitlage / Bauchlage Bauchliegerollbrett (mit
Orthopädiemechaniker anfertigen lassen) Heidelberger Stehgerät Wheele-About Fahrrad (Dreirad) Orthesen, orthopäd. Schuhwerk elektronische Kommunikationshilfen |
Nah-
und Fernziele bei der Behandlung
|
Nahziele:
Tonusregulation: Aus allen Ausgangslagen,
besonders aus BL und SL z.B. aus BL über die Hände der Therapeut/in,
in Rückenlage sind die Hände zwischen den Schulterblättern und auf dem Glutaeus
maximus, Verlagerung zu einer langen Seite und einer mobilen oder
kurzen Seite, mit beginnender Kopfeinstellung, d.h. Punctum fixum -
punctum mobile (rhythmisch) Gegenläufige Bewegungen zwischen
Schulter- und Beckengürtel zum Wahrnehmen des Gangmusters.
Lagerungen: Auch die helfen bei der
Tonusregulation und verhindern Kontrakturen und Deformitäten.
Zusätzlich dienen sie zur Verbesserung der Nackenaufrichtung und
des Stütz auf Ellbogen, Handwurzel oder Hände, sie helfen dem
Kind, aus einer gesicherten Ausgangsstellung spielen zu können. Die
Lagerung aus BL, eben beschrieben, hilft dem Kind, auch die Lagerung
aus SL, weil es u.a. mit beiden Händen spielen kann. Aus RL sollte
eine Lagerung nur stattfinden, wenn die beschriebenen Muster nicht
zu stark persistieren. Diese Lagerungen gelten mehr für das
jüngere Kind, oder das schwer tetraspastisch betroffene Kind. Beim
älteren Kind dienen Sitz- und Stehpositionen um ähnliches zu
erreichen.
Mobilisierung des
Kopfes-Rumpfes-Beckens und der Extremitäten: Erarbeitet wird u.a. die
Symmetrie des Kopfes und Rumpfes zur Mobilisierung und
Stabilisierung. Dieses geschieht aus neurophysiologischen
Ausgangsstellungen zur Erarbeitung von kleinen rhythmischen
Bewegungen um die Körpermitte herum. Positionen sind erneut RL, SL hin
zur 1. und 2. Zwergenposition. Die Bewegungen werden
konzentrisch und exzentrisch vom Kind organisiert, oder der
Therapeut gibt dafür die Hilfestellung (was für alle weiteren
Positionen und Bewegungsübergänge gilt). Die SL eignet sich, wie schon bei
der Tonusregulation beschrieben, besonders gut zum aktiven
Schulterstütz. Aus dieser seitlichen
Stützarbeit entwickelt sich der Stütz für die Hände, sowie die
Teilbelastung für den Fuß: Es sind hier alle weiteren
neurophysiologischen Ausgangsstellungen wichtig, die die
Stützarbeit der Hände bzw. Arme und Schultergürtel fördern,
sowie die Teilbelastung der Füße miteinbeziehen. Diese ist auch wichtig, damit die
spastische Muskulatur gedehnt wird (die Pectoralis-Gruppe als
Beispiel, sowie die schlaffe Rumpfmuskulatur wird aktiviert, z. B.
die schrägen Bauchmuskeln in den Diagonalen). Weiterhin sind alle Bewegungsübergänge notwendig, die die reziproke Innervation
fördern, sowie die Mobilität. Der Vierfüsslerstand wird nicht
geübt, sondern die Vierfüsslerstellung wird als Übergangsposition
für u.a. den Sitz mit allen Varianten der Stützposition (mit und
gegen den Fall) dem Kind angeboten. Zusätzlich bietet sich an, im
aufgebrochenen Vierfüsslerstand, Bärenstand (evtl. von oben nach
unten, von der Bank, dem Stuhl, dem Schoß etc., damit das Kind
nicht klammert) zu arbeiten. Verwendet werden auch das Rollbrett, Schaukelbrett,Therapieschaukel, Gymnastikball, etc.
Vertikalisierung: Bis zum 18. Lebensmonat muß das
Kind vertikalisiert sein, d.h. auf den Füssen stehen, um die Hüft-
und Kniebelastung zu erreichen (Beachtung des Antetorsionswinkels, der
Hüftkopf kann nur durch Belastung in die Pfanne kommen). Um dieses zu erreichen, benötigt
das Kind bei guter Vorbehandlung, einen Unterschenkelstehgips für
beide Füsse mit TalusAnstützung und 90° Stellung des oberen und
unteren Sprunggelenkes. Das Kind muß gleichzeitig mit
orthopädischen Schuhwerk versorgt werden, mit eingepaßten
Einlagen. (Orthesen)
Stell- und
Gleichgewichtsreaktionen: Die Stell- und
Gleichgewichtsreaktionen müssen erarbeitet werden. Beim tetraspastischen Kind mit
seiner mangelnden Kopfeinstellung, ist deshalb vordringlich, die
Stellreaktion des Kopfes auf den Körper zu organisieren. Daraus ergibt sich dann, daß
danach die Stellreaktion von Körper auf Kopf und Körper auf
Körper möglich wird. Wichtig ist auch die optische
Stellreaktion (besonders in der Vertikalisierung, um das
dreidimensionale Sehen zu erreichen). Die Gleichgewichtsreaktionen
sollten auch besonders den Stütz beinhalten.
Primärmuster durch adäquate
Bewegungsmuster überbauen: Die persistierenden Muster beim
tetraspastischen Kind sind besonders die MORD - Reaktion, häufiger auch in der 2. Phase
(Beugephase) der ATNR und der TLR. Wie schon bei den Stell- und
Gleichgewichtsreaktionen beschrieben, müssen diese Reaktionen in
neurophysiologischen Ausgangsstellungen und mit den rhythmischen
Bewegungen um die Körpermitte herum, erarbeitet werden.
Körperschema und
Bewegungsplanung: Das Körperschema muß mit dem
Kind aus neurophysiologischen Ausgangsstellungen erarbeitet werden,
wie z.B. Hand - Hand und Hand - Knie-Kontakt usw.. Zusätzlich müssen Materialien
angeboten werden, die das Kind selbst nicht erobern kann. Für
kleinere Kinder ist der Mundbereich mit zu beachten, zusätzlich
Hände, Körper und Fußspiele. Es benötigt auch eine
Organisation aller Arm - Hand-/ Arm - Fuss-/ Arm -
Knie-Koordinationen.
Sensorische Integration
verbessern:
Das Kind benötigt räumliche und zeitliche
Möglichkeiten, den Raum selbständig erobern zu können. Dazu dient als erstes schon das
Bauchliege-Rollbrett, welches nebenbei noch die reziproke Inervation des
Schultergürtels fördert und eine gute Ausgangsstellung zum Einsatz
der Hände bietet. Auch das räumliche und zeitliche
Erfassen z.B. linearer Bewegungen, Kreis, Diagonale, eine liegende
Acht etc.. Eine weitere Möglichkeit bietet
die Schaukel an. Auf der Schaukel (was evtl. auch eigenständlich
möglich ist) wird das
dreidimensionale Sehen und Hören im Raum gefördert, ebenso kann
auch der Ball eingesetzt werden. Sämtliche
Vertikalisierungsmaßnahmen sind auch positiv für die
Osteoporoseprophylaxe, Kreislauftraining. Zusätzlich fördern sie
die Ausdauer, psychische Stabilität, Konzentration und
Kommunikation des Kindes, weil der Mensch in die
Vertikalisierung strebt.
Körperwohlgefühl: Körperwohlgefühl ist eine
grundlegende Voraussetzung des Bobath-Konzeptes, damit das Kind
nicht durch Schreien, Weinen, vegetativem Unwohlsein, Erhöhung des
Hypertonus, Stresshormone ausschüttet. Das Kind soll durch das Bobath-Konzept eine Hilfestellung für
die eigene Organisation bekommen. Größtmögliche Unabhängigkeit
ist das Ziel, um es handlungsmotiviert, emotional und
kommunikativ im Dialog zu fördern. Das Kind benötigt deswegen ein
gutes Handling der Bezugspersonen und der Therapeutlnnen. Beim tetraspastischen Kind
müssen die Behandlungsziele realistisch eingestuft werden,Toleranzgrenzen
eingehalten werden, damit
alle beteiligten Personen nicht frustriert werden. Es muß in kleinen Schritten
vorangegangen werden. Es gilt für alle Patienten mit
diesem Störungsbild, daß die tonusregulierenden Maßnahmen jeder
Behandlung voraus gehen müssen. Diese haben immer einen regulierenden und dehnenden Effekt auf
die Muskelsituation.
Fernziele:
ADL Bereiche verbessern Mobilität verbessern Vorbereitung durch die bessere
Rumpf und HWS-Stabilität z.B einen Computer mit
Spezialanpassung zu bedienen
Laufen mit Hilfsmittel Bestmögliche
Hilfsmittelversorgung bedeutet so viel Hilfe wie nötig und so wenig
wie möglich, damit der Patient aktiv und mobil bleibt. Die Hilfsmittel sollen Mobilität
unterstützen und eine weitere Förderung der
neurophysiologischen Behandlung ermöglichen und stabilisieren. Deshalb muß eine stetige
Überprüfung stattfinden, um möglichst Hilfen wieder abbauen oder
ergänzen zu
können. Das Kind soll nicht statisch
fixiert sein, sondern durch den Einsatz zusätzlicher Möglichkeiten
ein verbessertes "Dasein" im täglichen Leben
gewährleisten. Z. B. beim Sitzen für die
mobilere Fortbewegung, zum Essen, Spiel, Sport, Unterricht usw. Hier
empfiehlt sich ein mobiler Stehtrainer. Größtmögliche Unabhängigkeit
von Hilfe.
|
zurück
zur Seite Infantile Cerebralparese