Sensorische Integration

Auf der Site "Neurophysiologie" werden die drei großen Funktionskreise des Nervensystems betrachtet: der afferente Kreis, der die Sensorik betrifft, der integrative Kreis, die Integration betreffend und der efferente Kreis, der die Motorik betrifft. Es wird beschrieben, daß der "Integrator"- der größte Neuronenkomplex- aus dem Globalsystem (Denken, Erleben, Wollen)

und aus 18 Teilsystemen =

7 Teilsysteme für die Wahrnehmung

- Raumschema: visuell, akustisch, olfaktorisch

- Körperschema : Somästhesie, Kinästhesie, Geschmack

- Vegetatives Schema

Teilsystem für Sprache

Teilsystem für Schrift

Teilsystem für das Rechnen

Teilsystem Körper/Raum- Orientierung

Engrammierung (Umschreiben von Frischgedächtnisinhalten in bleibende Erinnerungen)

2 musische Teilsysteme (Musik + Gestalten)

Emotionales Teilsystem

Sensomotorisches Teilsystem

Retikuläres Teilsystem (vegetativ-efferent) verknüpft Verhaltens- und Emotionsmuster

Instinktives Teilsystem

besteht. Die Teilsysteme werden jeweils den Globalleistungen zugeordnet.

 

Die Theorie der Sensorischen Integration wurde von Dr. A. Jean Ayres ( t 1988), Ergotherapeutin mit Promotion am Hirnforschungsinstitut der University of Southern California entwickelt.

Sie widmet sich der Erklärung der Zusammenhänge zwischen Verhalten und sensorischer Verarbeitung, bzw. Integration. Sensorisch-integrative Dysfunktionen haben ihre Ursache in mangelhafter zentraler Verarbeitung vestibulärer, propriozeptiver oder taktiler Sinneseindrücke und unterscheiden sich diagnostisch von den Dysfunktionen des peripheren oder kortikalen ZNS.

Dr. A. Jean Ayres erkannte, daß viele Entwicklungsstörungen, seien es Störungen der Motorik, der Sprache oder des Verhaltens auf Wahrnehmungsstörungen zurückgehen. Diese Störungen der Wahrnehmung betreffen sowohl das Körperschema als auch das Raumschema. Wie sollte auch ein Kind eine angepasste Motorik oder ein angepasstes Verhalten aufbauen können, wenn es den Körper und/oder den Raum nicht richtig wahrnehmen/ nicht aufeinander abstimmen kann?

Ayres legte den Schwerpunkt zur Rehabilitation auf die Förderung der Integration der Körperwahrnehmung mit der Raumwahrnehmung. Sie entdeckte, daß vor allem das Gleichgewichtstraining die Hemmneurone z.B. des Kleinhirns aktiviert, die Bewegungsmuster verfeinert und präzisiert sowie die Bewegungswechsel harmonisiert. Hierbei werden Körper- und Raumschema aufgebaut und deren gegenseitige Abstimmung gefördert. So stellte sich auch heraus, daß der Gleichgewichtssinn auch auf die Globalintegration eine generell fördernde Funktion ausübt. Somit profitieren sowohl die Globalvermögen mit ihren geistigen Leistungen als auch alle Teilvermögen von der Förderung der Integration.

Diese globale Förderung bis hin zu einer präziseren Motorik dank besserem integrativen Aufbau von motorischen Mustern bedeutet, daß die Neuriten und Dendriten der Neurone vermehrt aussprossen (Plastizität der Neurone). Da fast alle Neurone ein Gedächtnisvermögen besitzen, wird durch die Förderung der sensorischen Integration auch die Lernfähigkeit der Neurone begünstigt.

Die sensorische Integrationstheorie setzt sich aus drei Bereichen zusammen:

 


 

Einige Textauszüge aus:

Anna Jean Ayres "Bausteine der kindlichen Entwicklung"

 

"Integration stellt eine Art von sich-organisieren dar.

Etwas zu integrieren heißt, die unterschiedlichen Teile zu einem Ganzen zusammenzubringen. Wenn etwas 'integriert' ist, arbeiten alle Teile als Einheit zusammen."

"Sensorische Integration ist der Prozess des Ordnens und Verarbeitens sinnlicher Eindrücke (Sensorischer Inputs), so daß das Gehirn eine brauchbare Körperreaktion und ebenso sinnvolle Wahrnehmungen, Gefühlsreaktionen und Gedanken erzeugen kann.

Die Sensorische Integration sortiert, ordnet und vereint alle sinnlichen Eindrücke des Individuums zu einer vollständigen und umfassenden Hirnfunktion."

"Sensorisch integrative Prozesse resultieren aus der Wahrnehmung und anderen sensorischen

Synthesen, die den Menschen befähigen, effektiv mit seiner Umwelt zu interagieren."

"Die Sensorische Integration läßt viele Dinge wesentlich leichter ablaufen, selbst wenn sie nicht leicht sind. Willenskraft dagegen kann man nur für wenig Dinge aufbringen und immer nur für einen bestimmten Zeitpunkt."

"Wenn alle sensorischen Reize, die das ZNS eingehen, die höheren Ebenen des Gehirns "bombardieren" könnten, würde das Individuum in die Ineffektivität gedrängt. Es ist die Aufgabe des Gehirns zu filtern, zu organisieren und eine Masse sensorischer Informationen zu integrieren, so daß diese zur Entwicklung und Durchführung der Hirnfunktion genutzt werden kann. Glücklicherweise ist das Gehirn unter normalen Umständen ein Selbstorganisations-zentrum. Es scheint ein Wunder zu sein, daß dieses Organisationszentrum nicht öfters versagt, als es dies anscheinend tut."  

 

Sensomotorik

Neurophysiologie

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 Psychomotorik/ Sensorische Integration 

( M.Bechstein) pdf-Datei

  Neurobiologie

( Krause/Dresel) pdf-Datei

 

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