Entwicklung der motorischen Koordination im Zentralnervensystem

 

 

Aufgrund der Verbindungen zwischen den Gehirnabschnitten (wie z.B. die die Hemisphären querverbindenden Kommissurenbahnen oder die innerhalb einer Hirnhälfte verlaufenden Assoziationsbahnen) kann kein Teil des Gehirns für sich allein betrachtet werden.

Stammesgeschichtlich (Phylogenese) entwickelte sich der schichtförmige Aufbau höherer Nervensysteme, die ältesten phylogenetischen Hirnanteile, die zugleich die lebenswichtigsten sind. Innerhalb der Erforschung der Evolution in Bezug auf die Genese von Nervenzellen entstand die Erkenntnis, daß das Nervensystem im wesentlichen aus drei Klassen von Neuronen besteht: Sensorische, motorische und die sie verknüpfenden Nervenzellen.

Im Verlauf der typischen Entwicklung eines Organismus vom befruchteten Ei bis zum Abschluß von Wachstum und Differenzierung, also der Ontogenese, werden die in der Phylogenese auftretenden verschiedenen Stufen der Nervensysteme ontogenetisch bei höheren Organismen teilweise wieder durchlaufen. Wir finden sie auch noch bei weit ausdifferenzierten Hirnen vor.

Ontogenetisch bildet sich das Nervensystem höherer Lebewesen aus dem Ektoderm, dem äußeren Keimblatt des Embryoblasten (Embryonalknoten, aus dem sich der Embryo entwickelt) durch Einstülpung zur Neuralrinne und schließlich zum Neuralrohr. Aus diesem Neuralrohr entsteht das Rückenmark und an seinem cranialen Ende das Gehirn. Die Zervikalregion als der demzufolgend ontogenetisch älteste Teil des zentralen Nervensystems wird am frühesten funktionsfähig. Beobachtet werden in der Mund- und Nackenregion die frühesten Fötalbewegungen (1952 von D. Hooker, Kansas, "The prenatal origin of behavior" sowie 1969 von T. Humphrey, London, beschrieben).

Die fetalen Bewegungen (ausgehend vom Beginn der Fetalperiode ab der 9. SSW post conceptionem) lassen sich als spontane Bewegungen bereits im Verlauf der 9. Woche des Keimalters durch Rückenmarksreifung beobachten. Diese Bewegungen sind unabhängig von einer Kontrolle durch die Hirnrinde (Cortex), haben also reflektorischen Charakter. Der Mensch ist nun allerdings in seinem phylogenetischen Entwicklungsprozeß künftig auf eine intakte Aktivität der Cortex angewiesen, um letztendlich einen Zustand des normalen Muskeltonus [als ständige Adaption und Organisation der Peripherie, also Bereitschaftszustand des gesamten neuromuskulären Apparates einschließlich der spinalen Synapse und der gemeinsamen Endstrecke (B.Bobath, 1986)] und somit auch die Aufrichtungsfähigkeit zu erreichen. Die ausreifende Hirnrinde dominiert unter Mitwirkung der Pyramidenbahnen als wichtigste motorische Leitungsbahnen im Verlauf der ersten Wochen nach der Geburt und unterdrückt die vorangehend beschriebene niedere Reflexaktivität. Das Persistieren (Bestehenbleiben einer fetalen Struktur über den physiologischen Rückbildungstermin hinaus) von reflektorischen Mustern bedeutet das Ausbleiben der Steuerung durch entsprechende Hirnrindebezirke und weist auf eine Hirnschädigung hin!

Eine empfehlenswerte Seite zur Entwicklung:

 

 

 

Index

Bobath

Vojta

Sensorische Integration

Meilensteine

Befund

Entwicklung

Reflexe(pics)

infantile CP

Nervensystem

Anatomie per. NS

Hirnschnitte

Anatomie Bewegungsapparat

periphere Nerven

periphere Läsionen

Grafiken ZNS

Gehirn - Grafiken

Gesamtverzeichnis